Reagenzglasbefruchtung (IVF und ICSI)

Die Befruchtung im Reagenzglas ist aus verschiedenen Gründen die effektivste Behandlung bei Kinderlosigkeit

Die Reagenzglasbefruchtung (In Vitro Fertilisation, IVF) wurde in der 70er Jahren für die eileiterursächliche Unfruchtbarkeit entwickelt, aber sie hat sich auch als erfolgreiche Behandlungsmethode für Endometriose-Patienten, bei Unfruchtbarkeit wegen qualitativ geringwertigerer Spermien und bei ungeklärter Kinderlosigkeit herausgestellt.

ICSI
Reagenzglasbefruchtung mittels Mikroinjektion (ICSI)

Stimulation der Eierstöcke

Während der normalen Monatsperiode reift eine Eizelle heran und löst sich, während die anderen zu wachsen begonnene Follikel verkümmern. Für die Reagenzglasbefruchtung wird die Frau mit Hormonen behandelt, durch die mehrere im jeweiligen Moment heranreifende Follikel zum Wachsen gebracht und die in ihnen enthaltenen Eizellen zur Befruchtungsreife geführt werden.

Die Hormonbehandlung wird für jede Frau individuell geplant. Je nach angewandter Hormonbehandlung dauert sie 2-4 Wochen. Die Hormone werden dosiert unter die Haut gespritzt. Der Ablauf der Therapie wird mittels Ultraschall und manchmal auch durch Hormonbestimmungen aufgrund von Blutproben beobachtet. Während der Hormonbehandlung kann man sein Leben normal fortführen, zur Arbeit gehen und seinen Hobbys nachgehen.

Sammlung von Eizellen

Oocyte
© Ovumia

Die Eizellen werden aus den Follikeln der Eierstöcke gesammelt. Die Maßnahme wird durch die Scheide mit einer dünnen Nadel durchgeführt. Im Zusammenhang mit dem Sammeln werden der Frau intravenöse Schmerzlinderung und lokale Betäubung des Scheidenendes verabreicht.

Pro Vorgang erhält man im Durchschnitt 10 Eizellen, aber die Anzahl schwankt individuell.

Nach dem Sammeln der Eizellen wird das Befinden der Frau in der Klinik über mehrere Stunden beobachtet. Gleichzeitig wird für ausreichende Schmerzbehandlung gesorgt. Krankheitsurlaub wird üblicherweise für den Tag der Sammlung und den darauf folgenden zwei Tagen verschrieben.

Befruchtung (IVF und ICSI)

Reagenzglasbefruchtung (IVF)

Die Reagenzglasbefruchtung erfolgt unter extrem reinen Labor-Bedingungen, indem die von der Frau gesammelten Eizellen und die vom Mann aus der Samenflüssigkeit abgesonderten Spermien in ein gemeinsames Kulturgefäß gebracht werden. Vor dem Sammeln der Eizellen benötigt die Frau eine Hormonbehandlung, eine Stimulation der Eileiter. Die Eizellen werden mittels ultraschallüberwachter Maßnahmen aus den Follikeln der Eierstöcke gesammelt. Die Eizellen und die Spermien werden im Labor in einem besonderen Kultivierungsschrank kultiviert, dessen Temperatur, Feuchtigkeit und Gasanteil streng an den Bedingungen in den Fortpflanzungsorganen der Frau ausgerichtet sind.

Die Befruchtung und die Entwicklung der Embryonen werden phasenweise beobachtet. Gewöhnlich werden 70 % der Eizellen durch normale Kultivierung befruchtet. Von den befruchteten Eizellen entwickeln sich 30 – 50 % zu qualitativ guten Embryonen. Von diesen werden die besten für die Übertragung der Frisch-Embryonen ausgewählt, wobei das Embryo nach 2 – 5 Tagen nach der Befruchtung in die Gebärmutter übertragen wird. Die übrigbleibenden qualitativ guten Embryonen werden für spätere Übertragung von Tiefkühl-Embryonen eingefroren. Im Durchschnitt führen 30 – 40 % der Frischembryonenübertragungen zu einer klinischen Schwangerschaft.

“Die erste Transfer führte zu keiner Schwangerschaft, aber dann kam Leo dank der Übertragung  von Tiefkühl-Embryonen zur Welt.” Niina Viitanen

Viitaset
Niina, Leo und Jouni Viitanen.

 

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

ICSI
© Ovumia

Die Mikroinjektion von Spermien in Eizellen (Intra Cytoplasmic Sperm Injection, ICSI) wird angewendet, wenn die Kinderlosigkeit im Mann begründet ist, wenn z.B. die Anzahl der Spermien in der Samenflüssigkeit sehr gering oder die Beweglichkeit der Spermien deutlich niedriger ist. Die Behandlungsmethode wird auch dann angewendet, wenn die Befruchtung durch eine normale Reagenzglasbefruchtung nicht erfolgreich war.  Vor der Mikroinjektionsbefruchtung bekommt die Frau eine Hormonbehandlung, und die Eizellen werden wie bei der Reagenzglasbefruchtung gesammelt. Die beweglichen Spermien werden für die Mikroinjektion aus der Samenflüssigkeitsprobe des Mannes entnommen.

Bei der Mikroinjektionsbefruchtung wird die Befruchtung dadurch gefördert, dass eine Samenzelle mittels einer dünnen Glasnadel zur reifen Eizelle gebracht wird. Die Befruchtung der Eizellen und die Entwicklung der Embryonen werden auf die gleiche Weise beobachtet, wie bei einer normalen Reagenzglasbefruchtung. Mit der Mikroinjektionsbehandlung werden ähnliche Ergebnisse erreicht, wie bei Reagenzglasbefruchtung.

Kultivierung von Embryonen

Blastocyst
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Die Befruchtung der Eizellen wird 16–20 Stunden nach der Zusammenbringung der Geschlechtszellen überprüft. Die Übertragung des Embryos ist in dieser Phase bereits möglich, aber nach einer längeren Kultivierungszeit kann man zuverlässiger denjenigen Embryo bestimmen, dessen Schwangerschaftsprognose am besten ist. Die Kultivierung der Embryonen wird immer individuell im Behandlungsteam geplant. Dabei wird die Behandlungshistorie der Kunden berücksichtigt.

Üblicherweise werden Embryonen 2–3 Tage im Labor kultiviert. Sie werden bis zur Teilungsphase herangereift, wenn die besten zwei Tage alten Embryonen vierzellig, und die drei Tage alten entsprechend achtzellig sind. Manchmal ist es angebracht, die Embryonenkultivierung 4–5 Tage bis zum  Blastocysten-Entwicklungsstadium fortzusetzen.

Übertragung von Embryonen

Embryo
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Der Embryotransfer ist eine Maßnahme, bei der der 2-5 Tage alte Embryo in die Gebärmutter übertragen wird. Der Embryotransfer geschieht mittels eines Katheters und Ultraschallsteuerung. Zur Vermeidung von Mehrlingsschwangerschaften wird meistens nur ein Embryo pro Vorgang übertragen. Der Arzt entscheidet über die Anzahl der zu übertragenden Embryonen, nachdem er mit dem Paar über deren Behandlungshistorie und ihren Wünschen gesprochen hat. Die Hormonbehandlung setzt sich noch nach dem dosierten Embryotransfer durch die Vagina fort.

Ein Schwangerschaftstest wird nach zwei Wochen nach dem Embryotransfer gemacht. Ist der Test positiv, wird die erste Ultraschalluntersuchung etwa zwei Wochen nach dem Embryotransfer vorgenommen. Ist die Schwangerschaft normal fortgeschritten, setzt sich die Beobachtung der Schwangerschaft beim allgemeinen Mutterschaftszentrum (neuvola) statt.

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Candido Tomás

 

Candido Tomás
Dr. med., Spezialist für Gynäkologie, Geburtshilfe und Gynäkologische Endokrinologie, Entwicklungsdirektor
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